WM in Katar: 8 wichtige Dont’s für anreisende Fans

Am 20. November, und somit einen Tag früher als ursprünglich geplant, wird in Katar die Fußball WM 2022 starten – mit dem WM-Eröffnungsspiel Katar gegen Ecuador. Selbst, wenn diese Weltmeisterschaft aus verschiedensten Gründen umstritten ist, werden dennoch viele Fans anreisen, um ihre Teams im Stadion live anzufeuern.

Jedoch: Katar ist eine absolute Monarchie mit Scharia-basierter Gesetzgebung. Zwar wird es während der WM etwas weniger autoritär zugehen als normalerweise. Dennoch sollten Besucher einige Dinge konsequent vermeiden, wenn sie nicht das Risiko eingehen möchten, in Konflikte zu geraten oder womöglich des Landes verwiesen zu werden.

Die Skyline von Doha. Hier und in anderen katarischen Städten wird ab 20. November eine wirklich ungewöhliche Fußball-WM ablaufen.  stock.adobe.com © kubikactive
Die Skyline von Doha. Hier und in anderen katarischen Städten wird ab 20. November eine wirklich ungewöhliche Fußball-WM ablaufen.
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#1 In der Öffentlichkeit „mangelhaft“ bekleidet auftreten

Der Hauptgrund, warum die katarische Fußball-WM im Spätherbst stattfinden wird, ist, weil es die einzigen Monate sind, in denen keine schwülheißen Temperaturen mit bis zu 45°C herrschen. Wenn die WM läuft, sind Tagestemperaturen von ungefähr 25°C die Regel – angenehmes Deutschlandsommerwetter.

Dennoch sollten sich Fans keinesfalls dazu hinreißen lassen, mit kurzen Shorts, Achselshirts oder gar freiem Oberkörper in die Öffentlichkeit zu gehen. Kürzlich wurde von Katar sogar eine offizielle Grafik herausgegeben, die das richtige Vorgehen zeigt – für beide Geschlechter, wohlgemerkt.

Demnach sollen Schultern, Knie und alles dazwischen bedeckt bleiben. Ferner dürfen die Kleidungsstücke weder zu körperbetont noch viel zu weit sein. Das heißt: T-Shirt und Capri-Hose ja, Achselshirt und herkömmliche kniefreie Shorts nein. Ähnliches gilt für bauchfreie Kleidung. Badebekleidung sollte nur am Hotelpool getragen werden und von oberkörperfreiem Sonnenbaden für Frauen ist dringend abgeraten.

Allerdings: Ausländerinnen müssen in Katar kein Kopftuch tragen.

#2 Als unverheiratetes Paar Zärtlichkeiten austauschen

In Deutschland leben unverheiratete Paare bereits seit vielen Jahrzehnten ohne staatliche Einschränkungen zusammen. In Katar sieht es jedoch anders aus – und es wird sich für die WM nichts ändern.

Zwar dürfen unverheiratete (ausländische) Paare ein gemeinsames Hotelzimmer buchen. Allerdings sei darauf hingewiesen, dass laut katarischen Gesetzgebungen außerehelichen Zärtlichkeiten selbst unter Ausländern und in der Intimsphäre des Hotelzimmers komplett verboten sind. Darauf stehen bis zu sieben Jahren Haft.

Angesichts dessen ist es für Ehepaare mit unterschiedlichen Nachnamen zudem angeraten, eine Kopie der Heiratsurkunde mitzuführen – nur für alle Fälle.

Wichtig 1: Selbst für Verheiratete sind Liebesbekundungen in der Öffentlichkeit ebenfalls untersagt. Das umfasst sogar Händchenhalten, Umarmungen und züchtige Küsse.

Wichtig 2: Zwar ließ Emir Tamim bin Hamad Al Thani verkünden, zur WM seien alle Gäste unabhängig ihrer sexuellen Orientierung willkommen. Dennoch raten Sicherheitskreise LGBTQI+ Fans dringend davon ab, sich in irgendeiner Weise als solche zu erkennen zu geben. Selbst wenn die Staatsmacht sich zurückhält, könnte es aus der extrem konservativen Zivilbevölkerung zu spontanen Handlungen kommen.

Vorsicht vor öffentlichen Zuneigungsbekundungen. Schon Händchenhalten ist de facot illegal und verpönt. Die hier gezeigte Kleidung entspricht ebenfalls nicht den staatlichen Vorgaben. stock.adobe.com © Wirestock Creators
Vorsicht vor öffentlichen Zuneigungsbekundungen. Schon Händchenhalten ist de facot illegal und verpönt. Die hier gezeigte Kleidung entspricht ebenfalls nicht den staatlichen Vorgaben.
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#3 Glücksspiel betreiben

Ein Großereignis wie die Fußball-WM lockt typischerweise auch Menschen an das Thema Sportwetten heran, die normalerweise keinen Kontakt dazu haben. Da es sich hierbei um ein internationales Phänomen handelt, kann Katar im Prinzip zudem nichts verbieten. Wohl aber kann das Land alle Glücksspielhandlungen auf seinem Territorium untersagen – und tut es schon längst.

Das würde dann etwa Fans betreffen, die sich in Katar befinden und von dort – beispielsweise – auf die Website ihres bevorzugten deutschen Wettanbieters surfen wollen. Zwar ist speziell die katarische Rechtslage zum Thema Wetten etwas schwammig. Wer jedoch auf Nummer sicher gehen möchte, sollte sich die kürzlich nach einem langen Weg geänderte deutsche Gesetzeslage zunutze machen.

Heißt: Entweder noch in Deutschland seine Wetten (unzweifelhaft legal) platzieren oder sie einem zuhause gebliebenen Bekannten via Telefon anweisen – damit er sie dann von Deutschland aus platziert. Im Gegensatz zum Internet beziehungsweise einzelnen Websites lässt sich dieser Kontakt nicht so leicht unterbinden oder abfangen.

Wichtig: Generell sperrt Katar üblicherweise eine ganze Reihe von Internet-Inhalten – selbst solche, die aus westlicher Sicht nichts Unverfängliches an sich haben. Wie sich dies während der WM darstellen wird, etwa in öffentlichen WLAN-Netzwerken in Hotels und Stadien, ist derzeit noch offen.

#4 Fluchen – in jeglicher Form

Man muss kein besonders schlechtes Benehmen haben, damit einem bei einem Malheur der eine oder andere Fluch entweicht. In Katar allerdings sollten die Lippen dafür – in jeder nur denkbaren Sprache – vollkommen verschlossen bleiben. Fluchen sowie artverwandte Äußerungen, die als blasphemisch ausgelegt werden können, sind dort ebenfalls untersagt.

Übrigens gilt dies ebenso für Hand- oder andere Gesten, die sich derartig interpretieren lassen. Deshalb bitte selbst im Stadion und im Eifer des Gefechts keinesfalls zu irgendwelchen Rufen oder Gesten in Richtung Schiri oder Gegnerteam hinreißen lassen.

#5 Alkohol einführen, unlizenziert erwerben oder in der Öffentlichkeit trinken

Das Thema Alkohol gehört zu den größten „Aufregern“ im Vorfeld der WM. Klar ist, dies wird eine sehr trockene Weltmeisterschaft mit nur wenigen freigegebenen Ausnahmen. Im Umfeld der Stadien ist der Konsum nur vor und nach dem Spiel gestattet. Währenddessen sind im Stadion selbst nur alkoholfreie Getränke möglich – darunter alkoholfreies Bier.

Jenseits davon sollten Fans allerdings äußerst vorsichtig sein:

  • Selbst, wenn die Bierpreise sich im Bereich von 100 Euro für einen Kasten bewegen werden, sollten Fans unter keinen Umständen versuchen, Alkohol im Reisegepäck in das Land zu schmuggeln. Es wird wegen der WM besonders scharfe Kontrollen geben.
  • In speziellen Geschäften dürfen Ausländer nur dann Alkohol kaufen, wenn sie über 21 sind, eine (kostenpflichtige) staatliche Lizenz besitzen und dauerhaft in Katar leben. Höchstwahrscheinlich werden Fußball-Touristen also abgewiesen.
  • Jenseits der Fan-Meilen darf nur in (manchen) Hotelbars Alkohol getrunken werden.

Unbedingt sollten Fans sich jedoch davor hüten, über den Durst zu trinken. Auf öffentlich zur Schau gestellte Trunkenheit stehen dort ebenfalls schwere Strafen.

Im Stadion selbst wird das Bier diesmal alkoholfrei sein – und teuer. Außerhalb davon wird die WM ebenfalls deutlich trockener sein als frühere Auflagen.  stock.adobe.com © Jacob Lund
Im Stadion selbst wird das Bier diesmal alkoholfrei sein – und teuer. Außerhalb davon wird die WM ebenfalls deutlich trockener sein als frühere Auflagen.
stock.adobe.com © Jacob Lund

#6 Ohne wärmende Oberbekleidung in die Öffentlichkeit gehen

Es mag zunächst etwas merkwürdig anmuten: Wenn das Thermometer hierzulande 25°C anzeigt, käme wohl kaum jemand auf den Gedanken, Haus, Wohnung oder Hotelzimmer mit einer Strickjacke oder einem Hoody im Gepäck zu verlassen. In Katar gilt jedoch genau das praktisch als Pflichtübung für Profis.

Denn im Land sind faktisch sämtliche Gebäude und geschlossene Fahrzeuge auf extrem niedrige Temperaturen herunter-klimatisiert. Tritt man aus dem heißen Außenbereich hinein, fühlt sich die Kälte nicht nur rasch unangenehm an. Sie kann sogar flugs Schnupfen und Co. hervorrufen.

Ergo: Niemals ohne ein wärmendes Stück Kleidung für den Oberkörper aus dem Hotel gehen.

Wichtig: Selbst die Wintersonne kann in Katar sehr stark brennen. Im Freien empfehlen sich deshalb unbedingt ein Sonnenhut mit umlaufender Krempe sowie Sonnenschutzcreme mit hohem Lichtschutzfaktor. Bitte dazu auch bedenken, dass man aus dem spätherbstlichen Deutschland anreisen wird. Haut und Kreislauf sind nicht auf die Hitze nach wenigen Flugstunden vorbereitet.

#7 Versuchen, auf herkömmlichem Weg einzureisen

Normalerweise können Ausländer nach Katar einreisen, wenn sie einen noch mindestens sechs Monate gültigen Reisepass vorweisen können und bei der Einreise ein vollwertiges Visum oder einen Visum-Waiver beantragen.

Für die Zeit der WM wird das allerdings nicht möglich sein. Hierbei werden vollkommen andere Regeln gelten. Um dann einreisen zu dürfen, ist folgendes nötig:

  1. Reisepass, noch mindestens sechs Monate gültig,
  2. Nachweis einer gebuchten Unterkunft und
  3. Karten für ein Spiel.

Damit muss zunächst online ein sogenannter Hayya Account eröffnet werden, mit dem wiederum eine Hayya Card beantragt werden kann. Das muss bereits vor der Abreise geschehen.

Dies mag zwar komplexer anmuten. Aber bei dem zu erwartenden Trubel der WM dürfte es in der Praxis das Einreiseprozedere deutlich beschleunigen.

#8 Mit deutschen Vorstellungen an den Straßenverkehr herangehen

Mit Pass und internationalem Führerschein werden Ausländer sich selbst während der WM einen Mietwagen nehmen können, um das kleine Königreich bereisen zu können. Dabei sei jedoch dringend davon abgeraten, in Katar so zu fahren, wie man es aus Deutschland gewöhnt ist – und das nicht nur, weil dort Rechtsverkehr wie in Großbritannien gilt:

  • Keinesfalls am Steuer gestikulieren – siehe Punkt 4.
  • Äußerst defensiv fahren, da hier deutlich „freier“ gefahren wird als bei uns.
  • Keine Fahrten in die Wüste mit normalen PKW. Hierzu sind unbedingt Geländefahrzeuge erforderlich – und genügend Kraftstoff- und Wasserreserven.

Zudem noch ein guter Rat: Wer in Katar mit dem Fahrrad fahren möchte, sollte dies zu seiner eigenen Sicherheit ausschließlich auf markierten Radwegen tun. Auf normalen Straßen zu radeln, ist dort inner- und außerhalb der Städte tatsächlich lebensgefährlich.