Serge Gnabrys WM-Aus zwingt Julian Nagelsmann zum Umdenken – und rückt Jamal Musiala noch stärker ins Zentrum der deutschen Pläne für das Turnier 2026 in den USA, Mexiko und Kanada. Der Münchner Zauberfuß soll nach seiner langen Verletzungspause rechtzeitig wieder in Topform kommen, doch auf dem rechten Flügel und in der Offensive braucht der Bundestrainer nun weitere Lösungen.
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Musiala rückt in die Schaltzentrale
Musiala schickte Gnabry nach dessen bitterer Nachricht ein Herzchen. Dass der inzwischen wieder deutlich beweglichere Offensivkünstler beim leidvollen Instagram-Post seines Klubkollegen auf „Gefällt mir“ drückte, war vor allem ein Zeichen des Mitgefühls – zugleich macht Gnabrys Ausfall Musialas Bedeutung für den DFB noch größer. Das letzte von bislang 40 Länderspielen des 23-Jährigen liegt inzwischen 13 Monate zurück, seitdem bremste ihn eine schwere Verletzung aus.
In Musialas Abwesenheit fuhr Nagelsmann einen Kurs, den schon Joachim Löw einst mit dem Satz auf den Punkt gebracht hatte: „Serge Gnabry spielt immer bei mir.“ Der 31-Jährige stand in allen acht Länderspielen der WM-Saison in der Startelf, erzielte vier Treffer und bereitete zwei weitere vor. Mal kam er über die rechte Seite, meist ersetzte er aber Musiala als Zehner. Für das XXL-Turnier in den USA, Mexiko und Kanada ist die Rollenverteilung aus Sicht des Bundestrainers klar: Musiala soll, ja muss, wieder den Takt im deutschen Spiel vorgeben.
Gnabrys Traum von der WM ist dagegen vorbei. Der Bayern-Profi teilte am Mittwochabend nach seiner Adduktorenverletzung mit, dass das Turnier für ihn „leider vorbei“ sei. Für ihn war es bereits das zweite verletzungsbedingte Turnier-Aus in Folge.
Reaktionen zwischen Mitgefühl und Sprachlosigkeit
Auf seinen Post folgten zahlreiche Liebesbekundungen aktueller und früherer Nationalspieler. Nick Woltemade reagierte mit Traurig-Emojis, David Raum schrieb: „Zusammen für dich, Bro“. Auch Joshua Kimmich fand nach der Nachricht des verletzten Mitspielers und Freundes deutliche Worte und betonte, Gnabry werde nicht nur dem FC Bayern bei der Triple-Jagd „extrem“ fehlen. „Es ist ein sehr großer Verlust als Fußballer und Mensch.“
Rudi Völler zeigte sich nach dem Kontakt des Bundestrainers zu Gnabry ebenfalls tief betroffen. Der DFB-Sportdirektor sprach von einem Moment, in dem ihm kaum Worte geblieben seien. „Was sagt man da? Was schreibt man da?“, fragte Völler und ergänzte, mehr als ein „Kopf hoch“ sei ihm zunächst nicht eingefallen. Zugleich nannte er Gnabry „ein Garant“ auf dem Weg zur WM-Qualifikation. Auch Bayern-Sportvorstand Max Eberl machte klar, dass der Angreifer beim Turnier sicher „eine sehr gute Rolle gespielt“ hätte. Nagelsmann selbst sprach von einer „ganz bittere Nachricht“.
Welche Alternativen bleiben Nagelsmann?
Für den Bundestrainer stellt sich nun die Frage, wie der Angriff ohne den Bayern-Star aussehen kann. Musiala ist die naheliegende Lösung. Die jüngsten Auftritte des Ausnahmekönners geben durchaus Anlass zur Hoffnung. „Jamal wird von Woche zu Woche besser“, sagte Völler und hob besonders dessen Dribblings hervor: „Auch mit seinen Dribblings, das ist ja seine große Qualität.“ Jede Minute im Trikot des FC Bayern auf dem Weg zur Triple-Jagd werde ihm guttun, damit er bei der WM eine gute Rolle spielen könne.
Mit Musiala im Zentrum braucht die Nationalmannschaft auf rechts eine neue Option anstelle von Gnabry. Als erste Kandidaten gelten Leroy Sané, die ewige Reizfigur, sowie Lennart Karl, das verletzte Münchner Talent. Dahinter werden Jamie Leweling vom VfB Stuttgart und Karim Adeyemi von Borussia Dortmund genannt. Eine weitere Variante wäre, Kai Havertz als „Neuner“ zurückzuziehen, Musiala auf dem rechten Flügel einzusetzen und im Sturm mit Woltemade oder Nagelsmanns „Joker“ Deniz Undav zu starten.
Dass der Umgang des Bundestrainers mit Undav zuletzt Zweifel an seiner Person geschürt haben könnte, wollte Völler nicht erkennen. „Julian“, stellte er klar, „ist ein top Trainer, sehr empathisch.“ Einen besseren „kann man sich nicht wünschen“. Auch nicht für die Rückkehr und Eingliederung von Musiala, der Gnabry per Herzchen tröstete.
Kommentar: Rückschlag
Als hätte Nagelsmann nicht schon genug Baustellen. Die medialen Dauerdebatten um Manuel Neuer und Deniz Undav hielten den sichtbar genervten Bundestrainer zuletzt auf Trab, dazu kamen die mäßigen Leistungen der Nationalmannschaft in den Länderspielen im März. Spätestens seit Mittwochabend ist nun Gewissheit da: Serge Gnabry fällt wegen seiner schweren Adduktorenverletzung wie erwartet für die WM aus. Das ist ein herber Rückschlag auf dem Weg zum fünften Stern.
Gnabry zeigte beim FC Bayern und in der DFB-Auswahl eine starke Saison. Seine Flexibilität auf nahezu allen Offensivpositionen und das Selbstvertrauen aus dem Verein hätten ihn beim XXL-Turnier im Sommer zu einer wertvollen Option gemacht. Sein Ausfall schwächt die Mannschaft deutlich. Ein Trost für Nagelsmann: Musiala findet zunehmend zurück in den Rhythmus. Die Hoffnung ist berechtigt, dass der Münchner Unterschiedsspieler bei der WM nach seiner langen Pause wieder nahe an seiner Bestform sein kann. Vor seiner schweren Verletzung war er im Klub und in der Nationalmannschaft schließlich gesetzt – anders als Gnabry, der nun fehlt.