Zehn Jahre nach seiner Wahl regiert Gianni Infantino den Weltfußball weitgehend ohne sichtbaren Widerstand. Kritiker werfen dem FIFA-Präsidenten vor, Versprechen auf mehr Transparenz und Glaubwürdigkeit nicht eingelöst zu haben. Unter Infantinos Führung wuchsen Einnahmen und Wettbewerbe, gleichzeitig mehren sich Vorwürfe zu Autokratie, Nähe zu Machthabern und politischem Einflusskauf. Infantino steht weiterhin im Zentrum von Kontroversen – und könnte seine Amtszeit durch Statutenänderungen verlängern.
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Infantino als Alleinherrscher
Gianni Infantino trat am 26. Februar 2016 sein Amt als FIFA-Präsident an und versprach, das Ansehen des Verbandes wiederherzustellen. Heute, genau zehn Jahre später, sehen viele Beobachter dieses Versprechen als gebrochen an. Infantino habe ein System aus Geld und Macht aufgebaut, das ihm großen Einfluss verschaffe. Seine Kritiker sprechen offen von einem autokratischen Führungsstil und einer Schrumpfung demokratischer Strukturen innerhalb der FIFA.
Wachstum, neue Wettbewerbe und steigende Einnahmen
Unter Infantinos Präsidentschaft expandierte die FIFA sportlich und wirtschaftlich: Die Männer- und Frauen-Weltmeisterschaften wurden auf 48 Teams ausgeweitet, die Klub-WM auf 32 Teilnehmer vergrößert. Die FIFA rechnet im aktuellen WM-Zyklus mit Einnahmen von rund 13 Milliarden US-Dollar. Diese Rekordzahlen kommentieren Befürworter als Erfolg der Professionalisierung; Kritiker sehen darin eine „Geldmaschine“, die Einfluss und Loyalität sichere.
Vorwürfe: Einflusskauf und wachsende Postenschacher
Organisationen wie Fair Square kritisieren, dass die FIFA unter Infantino Mittel nutze, „die politische Unterstützung der Mitgliedsverbände zu kaufen“. Parallel stieg die Anzahl der FIFA-Kommissionen deutlich an, wodurch mehr Posten verteilt werden können. Beobachter warnen, dass solche Strukturen Kritik dämpfen und Loyalitäten belohnen. Theo Zwanziger meinte dazu, Infantino habe „so viel Geld in der Hand, mit der du jede Kritik im Grunde genommen im Keim ersticken kannst“.
Politische Nähe, Skandale und interne Kritik
Infantinos Nähe zu autoritären Staatschefs weckt wiederholt Unbehagen. Michel Platini äußerte gegenüber dem Guardian, der Präsident sei „seit der Pandemie immer autokratischer geworden“ und es gebe „weniger Demokratie als zu Blatters Zeiten“. Auch Joseph S. Blatter kritisierte die Entwicklung scharf und sprach von einer „totalen Diktatur“ bei der FIFA. Hinzu kommen Vorwürfe zur Vergabe der WM 2034 an Saudi-Arabien sowie Hinweise auf politische Manöver im Umgang mit Akteuren wie Donald Trump.
Interne Machtspiele und mögliche Amtsverlängerung
Infantino setzte sich 2016 gegen Prinz Ali bin al‑Hussein und Jérôme Champagne durch und konsolidierte seitdem seine Position. Er geriet bereits in das Visier der Schweizer Ermittlungsbehörden. Durch eine Statutenänderung könnte er seine Amtszeit verlängern und bis 2031 an der FIFA-Spitze bleiben; eine Wiederwahl steht im kommenden Jahr an. Trotz zahlreicher Kontroversen fehlt bislang eine schlagkräftige Oppositionsbewegung innerhalb des Verbandes.