55er Kader zur WM 2026! Deutschland Kadernominierung: Wer steht auf der 55er Liste?

Am 21. Mai legt Julian Nagelsmann seinen WM-Kader fest – und ausgerechnet auf der Torhüterposition bleibt bis zuletzt Bewegung drin. Ein Comeback von Manuel Neuer wäre zwar eine Überraschung, doch im Hintergrund verdichten sich die Hinweise auf eine mögliche Wendung. Die FIFA hat inzwischen bereits die vorläufige 55er-Liste erhalten, auf der nur Spieler stehen, die überhaupt noch für das Turnier infrage kommen.

Julian Nagelsmann, Ex-Trainer vom FC Bayern München - bald neuer deutscher Bundestrainer? (Copyright depositphotos.com / vitaliivitleo)
Julian Nagelsmann, Ex-Trainer vom FC Bayern München – bald neuer deutscher Bundestrainer? (Copyright depositphotos.com / vitaliivitleo)

Wer nicht auf dieser 55-Mann-Auswahl geführt wird, hat keine Chance auf die WM in Mexiko, Kanada und den USA. Nur ein sehr kleiner Kreis weiß, wie diese Liste im Detail aussieht und welche Namen darauf tatsächlich vermerkt sind. Klar ist aber: Ohne diesen Zwischenschritt geht für keinen Profi mehr etwas.

Nagelsmann bleibt öffentlich bei seiner Linie

Vor dem XXL-Turnier hatte Nagelsmann eine Rückkehr des 40-Jährigen mehrfach relativiert. Bei seinem Auftritt in München am 24. Februar sagte der Bundestrainer: „Ich habe mich klar geäußert zu der Thematik, Manu hat ebenfalls klar gesagt, wie seine Meinung dazu ist. Er war es auch, der zurückgetreten ist. Ich bin nach wie vor der Meinung, dass er es sehr gut macht, dass er ein sehr guter Torwart ist, aber wir mit Oli Baumann auch einen herausragenden Torwart haben“.

Mit Blick auf die WM ergänzte er damals: „Wenn Oli so stabil und gesund bleibt, wie er es jetzt macht, wird er eine tolle WM spielen. Auf der Torhüterposition haben wir gar keine Bauchschmerzen.“ Diese Haltung wiederholte Nagelsmann seitdem mehrfach – unter anderem im März rund um das 4:3 in der Schweiz und den 2:1-Erfolg gegen Ghana.

Auch in der MagentaTV-Talkreihe mit Johannes B. Kerner vor vier Wochen blieb er konsequent: „Noch mal: Manu ist zurückgetreten, aus freien Stücken, das hat er mehrfach wiederholt und deswegen ist es gar nicht so sinnvoll, darüber stetig zu diskutieren“.

Frist, Liste und mögliche Entscheidung schon am Wochenende

Endgültig abgeschlossen ist die Personalie dennoch nicht. Einen Monat vor dem Turnierstart am 14. Juni in Houston gegen Curacao stellt sich weiter die Frage, ob Nagelsmann seine Linie doch noch ändert oder bereits still und heimlich auf Neuer statt auf den fünf Jahre jüngeren Oliver Baumann aus Hoffenheim umgeschwenkt ist.

Spätestens am 21. Mai um 13 Uhr gibt es Gewissheit, wenn der DFB-Campus das 26-köpfige WM-Aufgebot verkündet. Erste Tendenzen könnten allerdings schon am Samstag sichtbar werden: Dann beobachtet Nagelsmann zunächst das Saisonfinale von Eintracht Frankfurt gegen den VfB Stuttgart und sitzt anschließend im Aktuellen Sportstudio des ZDF.

Bereits am Montag musste der DFB der FIFA eine vorläufige Liste mit 55 Spielern melden, darunter mindestens fünf Torhüter. Zwar bleibt dieses Aufgebot öffentlich unter Verschluss, doch es gilt als wahrscheinlich, dass neben Baumann auch Neuer, Alexander Nübel, Finn Dahmen und Jonas Urbig darauf stehen. Gerade bei den Keepern hat diese Vorstufe besondere Bedeutung, weil nur Spieler von dieser Liste im Notfall nachnominiert werden dürfen und Torhüter sogar während des Turniers ersetzt werden können.

Neuer in starker Form – und die Debatte um das Verhältnis

Dass Neuer sich in den vergangenen Wochen wieder in eine starke Gesamtverfassung gespielt hat, dürfte Nagelsmann nicht verborgen geblieben sein, auch wenn der Bayern-Kapitän zuletzt nicht völlig fehlerfrei wirkte. Vor allem sein Gala-Auftritt beim 2:1 in Madrid dürfte Eindruck hinterlassen haben, als er auf großer Bühne erneut jene Aura ausstrahlte, die ihn einst zum unbestritten besten Torwart der Welt machte.

Zusätzlich bekommt Neuer reichlich Rückendeckung von außen. Benedikt Höwedes, Felix Magath und vor allem Lothar Matthäus sprachen sich klar für ihn aus. Auf der anderen Seite verwies Sami Khedira darauf, dass Oliver Baumann mit seinen konstant starken Leistungen seit Monaten dem wachsenden Misstrauen standhalte und Unterstützung verdiene. Khedira sagte in Madrid, noch vor Neuers Top-Auftritt: „Den Oli Baumann killen wir gerade. Das hilft weder Julian noch Deutschland noch dem Jungen selber“.

Ob Nagelsmann sich von solchen Stimmen beeinflussen lässt, bleibt offen. Wahrscheinlicher ist, dass ihn vor allem die Spekulationen über ein angeblich belastetes Verhältnis zu Neuer stören, die als Hauptgrund für eine mögliche Nichtberücksichtigung gehandelt wurden. Matthäus hatte sogar formuliert: „Das Tischtuch zwischen ihnen sei so zerschnitten, das kann der beste Schneider nicht mehr zusammennähen“.

Sowohl Nagelsmann als auch Neuer betonten jedoch mehrfach glaubhaft, dass zwischen ihnen kein Bruch besteht und der Austausch regelmäßig läuft. Die Spannungen aus Nagelsmanns Zeit als Bayern-Trainer im Januar 2023, als er während Neuers Beinverletzung den langjährigen Vertrauten Toni Tapalovic als Torwarttrainer entließ, gelten nach übereinstimmender Darstellung beider Seiten inzwischen als ausgeräumt.

Auch die Kommunikationsprobleme rund um Neuers Rücktritt aus der Nationalmannschaft nach der Heim-EM 2024 sollen nicht schwerwiegend gewesen sein. Gleichzeitig bleibt ein entscheidender Punkt bestehen: Neuer zog sich damals vor allem deshalb zurück, weil er davon ausgehen musste, dass Nagelsmann den langjährigen Herausforderer Marc-André ter Stegen als WM-Stammkeeper aufbauen und befördern wollte. Ter Stegens groteskes Verletzungspech machte diese Planung früh zunichte.

Heute verweist Nagelsmann immer wieder auf Neuers Rücktritt als ersten Grund gegen eine WM-Berücksichtigung. Neuer selbst hat einen Rücktritt vom Rücktritt bislang kategorisch ausgeschlossen. Ob es dabei bleibt, hängt davon ab, ob der Münchner von Nagelsmann das klare Signal erhält, dass der Bundestrainer wieder auf ihn setzt.