100 Tage vor der WM 2026: Krisen und Kriege statt Sport und Spaß

100 Tage vor Beginn der Fußball-WM (11. Juni bis 19. Juli) dominieren politische Krisen die Berichterstattung mehr als der Sport. Bundestrainer Julian Nagelsmann warnte, politische Themen würden das Turnier prägen und der Fußball könne diese Probleme nicht lösen. Besonders dramatisch erscheint die Lage rund um die qualifizierte Mannschaft aus dem Iran: Ligabetrieb ausgesetzt, Testspiele abgesagt, eine Teilnahme derzeit kaum vorstellbar. Gleichzeitig plant die FIFA weiter mit 48 Teams, 104 Partien und Spielorten in den USA, Mexiko und Kanada.

FIFA WM 2026 in den USA, Mexiko & Kanada
FIFA WM 2026 in den USA, Mexiko & Kanada

Iran-Frage belastet die Fußball-WM

Hundert Tage vor dem Auftakt steht vor allem die iranische Mannschaft im Fokus. Nach dem jüngsten Angriff bezeichnete Irans Verbandschef Mehdi Taj die Lage als so ernst, dass man „nicht hoffnungsvoll auf die WM blicken“ könne. Der nationale Ligabetrieb ist ausgesetzt, Vorbereitungspartien wurden abgesagt. Die Iraner sollen ihre Gruppenspiele in Los Angeles und Seattle austragen, doch derzeit wirkt eine tatsächliche Anreise und Teilnahme unwahrscheinlich.

Nagelsmann: Politische Probleme überlagern sportliche Vorbereitung

Julian Nagelsmann betonte im kicker, man müsse sich des Umstands bewusst sein, „dass politische Themen vorherrschen, die der Sport nicht lösen wird“. Er verwies darauf, dass die weltpolitische Lage die Vorbereitung belastet und die eigene Leistung „für die weltpolitische Lage leider gar keine Relevanz“ habe. Dennoch konzentriert sich der Bundestrainer auf die fußballerischen Aufgaben.

FIFA reagiert zurückhaltend – Turnierplan bleibt

FIFA-Generalsekretär Mattias Grafström erklärte, es sei „zu früh, um dies im Detail zu kommentieren“, man werde die Entwicklungen weltweit weiter beobachten. Der Weltverband plant weiter mit 104 Partien an 16 Spielorten in vier Zeitzonen; die meisten Begegnungen (78) sollen in den USA stattfinden. Eröffnungsspiel und Finale sind in Mexiko-Stadt beziehungsweise New York vorgesehen.

Organisation, Sicherheit und Zuschauerfragen

FIFA-Präsident Gianni Infantino kündigte „104 Super Bowls“ und Rekordeinnahmen an; die Einnahmeerwartung liegt laut FIFA bei rund elf Milliarden Dollar. Trotz Kritik an hohen Preisen meldete der Weltverband 508 Millionen Nachfragen für etwa sieben Millionen Tickets und erklärte, „Alle Spiele sind ausverkauft“. Gleichwohl bleiben Unsicherheiten: Der Drogenkrieg in Mexiko belastet vor allem Guadalajara, und Boston drohte mit Rückzug, falls bis Mitte März eingefrorene Bundesmittel für Sicherheitsmaßnahmen nicht freigegeben werden.

Politische Rahmenbedingungen als Störfaktor

Darüber hinaus wirken sich die US-Politik unter Präsident Donald Trump, Fälle tödlicher Schüsse durch ICE-Beamte und verschärfte Einreisebestimmungen abschreckend auf Besucher aus. Die vielfältigen politischen und sicherheitsrelevanten Probleme lassen die Vorfreude auf ein friedliches Fest der Kulturen in den Hintergrund rücken.