Shoulder Gate: Nike-WM Trikots für die Weltmeisterschaft 2026 mit Problemen an den Schultern

Bei den jüngsten WM-Testspielen von Frankreich, England und Uruguay war auf den neuen Nike-Trikots ein ungewöhnliches Detail kaum zu übersehen: Entlang der Schulternaht wölbte sich der Stoff sichtbar auf. Der Guardian spottete deshalb sogar über Uruguays Spieler und zog einen Vergleich mit „Shredder“, dem Schurken aus den Teenage Mutant Ninja Turtles.

Kylian Mbappé, Stürmer der französischen Nationalmannschaft, läuft mit dem Ball im Testspiel zwischen Brasilien und Frankreich im Gillette Stadium in Foxborough, Massachusetts, am 26. März 2026. Das Bild zeigt Mbappé im neuen Auswärtstrikot Frankreichs vor der WM 2026. (Photo by FRANCK FIFE / AFP)
Kylian Mbappé, Stürmer der französischen Nationalmannschaft, läuft mit dem Ball im Testspiel zwischen Brasilien und Frankreich im Gillette Stadium in Foxborough, Massachusetts, am 26. März 2026. Das Bild zeigt Mbappé im neuen Auswärtstrikot Frankreichs vor der WM 2026. (Photo by FRANCK FIFE / AFP)

Der US-Sportartikelhersteller hat den Fehler inzwischen bestätigt. Nike erklärte, man habe in der letzten Länderspielpause „ein kleines Problem mit unseren Nike-Nationaltrikot-Kits festgestellt, am auffälligsten im Bereich der Schulternaht“. Die sportliche Leistung sei davon zwar nicht betroffen, „aber die Gesamtästhetik ist nicht so, wie sie sein sollte“. Zugleich prüfe man, was sich noch ändern lasse und ob eine Korrektur überhaupt möglich sei.

Nike unter Druck vor der WM 2026

Laut Guardian steht Nike bereits mit Partnerverbänden und Zulieferern im Austausch. Die Nachbesserung dürfte jedoch kompliziert werden, denn bis zur WM in den USA, Mexiko und Kanada bleibt nicht mehr viel Zeit. Das Turnier läuft vom 11. Juni bis 19. Juli.

Hinzu kommt, dass bei dieser Endrunde erstmals die neuen „Aero-FIT“-Trikots von Nike zum Einsatz kommen. Die Linie ist speziell für hohe Temperaturen gedacht und soll über eine Kühl-Technologie verfügen, die den Spielern bei den Bedingungen des Sommers helfen soll.

Beim Debüt der Kollektion Ende März hatten Fans und Experten die neuen WM-Kits zunächst überwiegend positiv bewertet. Das US-Team erhielt möglicherweise sein markantestes Trikotduo seit Jahrzehnten, andere Verbände wie Frankreich, England, Kanada und Uruguay wurden ebenfalls stark beurteilt. Erst beim ersten Einsatz der Trikots in der vergangenen Länderspielpause fiel vielen Anhängern die auffällige Beule an der Schulternaht auf.

Auf einigen Varianten, etwa dem gestreiften Heimtrikot der USA, war der Effekt kaum zu erkennen. Bei anderen, darunter dem eleganten, zurückhaltenden Shirt von Frankreichs Star Kylian Mbappé, wirkte die Erscheinung dagegen fast komisch. Mehrere Uruguay-Spieler trugen womöglich die markantesten Nähte des gesamten Feldes und sahen dadurch ein wenig wie Shredder aus, der Gegenspieler aus den Teenage Mutant Ninja Turtles.

Auch in den sozialen Netzwerken häuften sich Berichte von Käufern, die ähnliche Probleme mit ihren eigenen Exemplaren hatten. Einige gaben an, das Ganze mit einem Steamer oder nach dem Waschen etwas entschärft zu haben. Andere reagierten deutlich verärgerter, darunter ein kanadischer Fan auf Reddit.

„Die Art, wie die Schultern zusammengenäht sind, führt einfach dazu, dass sie sich so aufwerfen, egal was man macht“, schrieb dieser Anhänger. „Ich glaube, es könnte nur funktionieren, wenn man schmale Schultern hat – ich habe breitere Schultern, und es gibt einfach keine Möglichkeit, diese Schulterlinie nicht aufwölben zu lassen. Das ist ein dummes, DUMMES Design.“

Selbstkritik bei Nike, aber keine schnelle Lösung

Für Fans, die 100 bis 200 Dollar für eines dieser Trikots bezahlt haben, ist das mehr als nur ein Schönheitsfehler. Auch für Verbände und Spieler ist der Makel heikel, schließlich wollen sie beim größten Sportereignis der Welt möglichst makellos auftreten. Nike registrierte die Kritik, wie das Unternehmen gegenüber dem Guardian bestätigte.

„Während der letzten Länderspielpause haben wir ein kleines Problem mit unseren Nike-Nationaltrikot-Kits festgestellt, am auffälligsten im Bereich der Schulternaht“, hieß es in der Stellungnahme. „Die Leistung ist nicht beeinträchtigt, aber die Gesamtästhetik ist nicht so, wie sie sein sollte.“

Der Fehler ist für den Branchenriesen ungewöhnlich, zumal Nike die Gestaltung und Technik der Trikots bei der Präsentation ausdrücklich hervorgehoben hatte. Besonders bei den Außenspielen dieser Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko könnten die Temperaturen extrem hoch werden – genau hier soll Aero-FIT eigentlich ansetzen. Laut Marketingmaterial nutzt das System „computational design“ und einen hochspezialisierten, auf die Naht abgestimmten Strickprozess, um Athleten kühl zu halten.

Eine mit dem Designprozess vertraute Quelle sagte dem Guardian, dass dieses „computational design“ auf Leistungsdaten basiert und auch Elemente künstlicher Intelligenz einbezieht, die die Designer beim Entwickeln des Produkts unterstützen. Eine weitere mit der Ausrollung vertraute Quelle berichtete am Dienstag, Nike befinde sich inzwischen in Gesprächen mit Partnerverbänden und Zulieferern, um die nächsten Schritte zu bewerten.

Ob die Trikots noch überarbeitet werden oder welche Konsequenzen es für unzufriedene Käufer geben könnte, ist offen. Klar ist nur: Jede Änderung wäre logistisch enorm aufwendig, weil bis zum WM-Auftakt in gut zwei Monaten kaum Zeit bleibt und bereits viele Jerseys verkauft worden sind.

„Wir sind ein globales Team aus erstklassigen Designern, Kreativen und Visionären, die jeden Tag darüber nachdenken, wie wir innovieren, uns selbst herausfordern und Risiken eingehen, die das schöne Spiel voranbringen“, erklärte Nike weiter. „Wir legen stets höchste Maßstäbe an uns und unsere Produkte an, und dieses Mal wurden wir diesen nicht gerecht. Wir arbeiten mit Hochdruck daran, dies für Spieler und Fans wiedergutzumachen, denn jedes Trikot sollte die Sorgfalt, Präzision und den Stolz widerspiegeln, die der Fußball verdient.“

Für den DFB ändert sich vorerst nichts

Bei Nike verweist man auf eine lange Trikotgeschichte im Fußball: Seit 1979 rüstet der Konzern Soccer-Teams aus, damals beginnend mit den Portland Timbers aus der inzwischen aufgelösten North American Soccer League. 1983 folgte der Eintritt in den europäischen Markt mit Sunderland, das erste Nationaltrikot brachte Nike 1994 auf den Markt – ein Nigeria-Trikot, das nur einmal, in einem Freundschaftsspiel gegen England, getragen wurde.

1995 erweiterte Nike das Aufgebot an Nationalteams, darunter auch die USA, die seitdem beim US-Ausrüster bleiben und mindestens bis 2033 gebunden sind, wenn der aktuelle Langzeitvertrag ausläuft. Für den Deutschen Fußball-Bund ändert der Schulter-Ärger an der aktuellen Ausrüstungssituation ohnehin nichts: Der DFB wird erst ab 2027 von Nike ausgestattet, bei der WM im kommenden Sommer läuft die deutsche Mannschaft weiter in adidas-Trikots auf.