Lothar Matthäus auf Sky zum FC Bayern, den 35.Meistertitel, Kompany und den Nachwuchs

Sky-Experte Lothar Matthäus hat den FC Bayern München nach dem Gewinn der 35. deutschen Meisterschaft ausdrücklich gewürdigt. In seiner Kolumne lobt er die souveräne Saison, die Arbeit von Vincent Kompany, die Präsenz von Harry Kane und den Zusammenhalt im Klub.

Die Kolumne von Sky Sport Experte Lothar Matthäus.  © Sky
Die Kolumne von Sky Sport Experte Lothar Matthäus.  © Sky

Matthäus ist von der Qualität und der Mentalität der Münchner überzeugt. Er geht davon aus, dass die Bayern auch die nächsten Hürden meistern werden.

„Herzlichen Glückwunsch an den FC Bayern zur 35. deutschen Meisterschaft! Auch zu meiner Zeit gab es Meisterschaften, die nach 29 oder 30 Spielen entschieden waren, aber ich gebe Joshua immich recht: Diese Meisterschaft ist eine der souveränsten, die der FC Bayern bisher gefeiert hat.“

Auch abseits der Bundesliga habe die Mannschaft Eindruck hinterlassen, betont Matthäus: „Es hat großen Spaß gemacht, dieser Mannschaft zuzuschauen – nicht nur in der Bundesliga, auch im DFB-Pokal und in der Champions League.“

Kompanys großer Anteil am Erfolg

Für Matthäus trägt Vincent Kompany einen erheblichen Teil zur Titelserie bei, auch wenn der Belgier das vermutlich nicht gern hört. Entscheidend sei vor allem gewesen, den Verein zu einen – ähnlich wie einst Hansi Flick.

Kompany halte sich mit großen Worten zurück und treffe stattdessen den Punkt, wenn er spricht. Sein Appell gegen Rassismus habe auch international hohe Aufmerksamkeit erzeugt. Ansonsten rede er fast ausschließlich über Fußball und kaum über sich selbst. Matthäus musste schmunzeln, als Kompany sagte: „Am liebsten würde er gar keine Interviews geben, aber das gehört ja zu meinem Beruf dazu.“

Kane, Olise und viele weitere Leistungsträger

Einzelne Spieler herauszugreifen, werde dem Kollektiv eigentlich nicht gerecht, meint Matthäus – dennoch stechen einige hervor. Vor allem Harry Kane habe Außergewöhnliches geleistet, nicht nur als Torjäger, sondern auch über seine Arbeit für die Mannschaft. Andere seien ebenfalls schon Torschützenkönige geworden, jedoch nicht mit der Präsenz des Engländers. Kane sei unbezahlbar, ein großer Sympathieträger und für den FC Bayern wie auch für die englische Nationalmannschaft ein Aushängeschild auf und neben dem Platz.

Michael Olise habe zwar noch nicht ganz diese Strahlkraft, sei aber ebenfalls ein Spieler, wegen dem die Fans ins Stadion kämen. Auch Luis Diaz habe offensiv wie defensiv Herausragendes geliefert. Dazu nennt Matthäus Dayot Upamecano, das „Mentalitätsmonster“ Konrad Laimer und Josip Stanisic, die sich in dieser Saison noch einmal gesteigert hätten. Eigentlich könne man fast alle Bayern-Spieler aufzählen.

Vertrauen in den Nachwuchs und Blick nach vorn

Tom Bischof und Lennart Karl hätten gezeigt, dass junge Profis beim FC Bayern wieder darauf hoffen dürften, eine Rolle zu spielen. Das sei lange Zeit anders gewesen, wenn Matthäus an einige Vorgänger Kompanys denke. Der Belgier habe zusammen mit dem Verein den Talenten Vertrauen geschenkt. Spieler aus dem Campus seien nicht nur im Training integriert worden, sondern hätten teilweise auch ihr Debüt in der Bundesliga gefeiert.

Lennart Karl in der Bundesliga beim FC Bayern München '(Foto Depsotiphotos.com)
Lennart Karl in der Bundesliga beim FC Bayern München ‚(Foto Depsotiphotos.com)

In den vergangenen neun Monaten habe er mehrere vielversprechende Nachwuchskräfte beobachtet. Ob alle den Durchbruch schaffen, sei offen. Doch für den Rekordmeister müsse es das Ziel sein, weitere Talente zu entwickeln, die einmal zu einem zweiten Karl, Stanisic, Pavlovic oder Musiala werden können.

Für die kommenden Wochen sieht Matthäus Bayern dennoch bestens gerüstet. Zwei Titel seien noch zu vergeben, und er habe keinen Zweifel, dass der Rekordmeister im DFB-Pokal in Leverkusen sowie im Champions-League-Halbfinale gegen Paris Saint-Germain weiterkommen werde. Warum solle die Mannschaft jetzt den Fokus verlieren?

Der deutsche Rekordmeister lasse sich von Druck nicht aus der Ruhe bringen. Selbst im Rückspiel gegen Real Madrid, als das Team dreimal zurückgelegen habe, habe er nie an ein Ausscheiden geglaubt. Bei dieser Qualität, dieser Leistung und diesem Zusammenhalt müssten schon sehr viele Dinge zusammenkommen, damit Bayern scheitere. Die Mannschaft sei gefestigt und finde immer eine Antwort. Auch den Sieg in Unterzahl in Paris verweist Matthäus als Beleg. Seiner Meinung nach ist Bayern derzeit die beste Mannschaft der Welt.

Noch vor vier Jahren habe er den Klub wegen Missständen intern kritisiert. Zum Erfolg gehörten eben nicht nur Qualität, sondern auch Zusammenhalt, Begeisterung und vor allem Respekt untereinander. Genau diese Elemente sieht Matthäus inzwischen wieder erfüllt.

International seien andere Vereine wirtschaftlich zwar noch stärker aufgestellt, etwa der FC Liverpool, der im Sommer für fast eine halbe Milliarde Euro neue Spieler verpflichtet habe und dennoch nur auf Platz fünf der Premier League stehe. Gerade das unterstreiche aber auch, was Bayern auszeichne: Der Klub investiere so, dass er nicht nur heute, sondern auch in Zukunft stark aufgestellt bleibe.