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Jürgen Klopp wird 13. Bundestrainer: Vertrag bis zur WM 2030

Es ist das am schlechtesten gehütete Geheimnis des deutschen Fußballs: Jürgen Klopp wird neuer Bundestrainer. Am Freitag stellt der DFB den 59-Jährigen am Frankfurter Campus offiziell vor. Klopp unterschreibt einen Vertrag bis zur WM 2030 und ist damit der 13. Bundestrainer der DFB-Geschichte.

Jürgen Klopp im DFB-Trikot als TV-Experte bei der WM 2026
Jürgen Klopp im DFB-Trikot beim WM-2026-Gruppenspiel zwischen Deutschland und Curaçao im Houston Stadium am 14. Juni 2026. Wenige Wochen später wird er Bundestrainer. (Alexander Hassenstein / Getty Images via AFP)

Regierungserklärung am DFB-Campus: Klopp wird 13. Bundestrainer

Wenn Jürgen Klopp am Freitagmorgen für seine „Regierungserklärung“ den DFB-Campus betritt, ist die wochenlange Geheimniskrämerei endgültig vorbei. Als mächtigster Bundestrainer seit Franz Beckenbauer nimmt der frühere Erfolgstrainer die Mammutaufgabe in Angriff, den tief gefallenen viermaligen Weltmeister wieder aufzurichten. An der Seite von DFB-Präsident Bernd Neuendorf und Vizepräsident Hans-Joachim Watzke präsentiert Klopp sein Soforthilfe-Programm auf dem langen Weg bis zur WM 2030. Zuvor geben die DFB-Gremien am Vormittag ihr endgültiges grünes Licht.

Klopp übernimmt nach dem enttäuschenden WM-Aus im Sechzehntelfinale gegen Paraguay von Julian Nagelsmann. Der DFB erhofft sich von ihm all das, was er von seinem Vorgänger zuletzt nicht mehr bekam: strategische Wucht, eine klare taktische Linie und ein feines Gespür für die Kommunikation nach innen und außen.

Stimmen zu Klopp: vom Beckenbauer-Vergleich bis zur „logischen Wahl“

„Jürgen liebt Deutschland“, sagte DFB-Vize Watzke, „wir greifen ins höchste Regal.“ Klopps langjähriger Weggefährte Michael Zorc sekundierte: „Er ist die einzige und logische Wahl und das Beste, was Fußball-Deutschland jetzt passieren kann.“ Sportdirektor Rudi Völler betonte: „Er hat es seit vielen Jahren verdient, diesen Job zu bekommen. Die Erfolge sprechen für ihn.“

Rekordnationalspieler Lothar Matthäus verglich den neuen Bundestrainer sogar mit dem „Kaiser“: „Charisma, Authentizität, Verlässlichkeit und eine klare Linie, menschlich wie fußballerisch, dafür stand Franz Beckenbauer. Und dafür steht auch Jürgen Klopp.“ Der Meistermacher von Dortmund und Liverpool sei „normal und trotzdem ganz besonders“.

Heavy Metal Fußball: von Mainz über Dortmund nach Liverpool

Die richtigen Spieler auf ihren besten Positionen, Überfall-Fußball und enorme Motivation: Dafür steht Klopp, der seine Mannschaften stets an und über alle Grenzen getrieben hat. So war es einst in Mainz. So war es bei Borussia Dortmund, wo er mit Arbeitern wie Kevin Großkreutz und Marcel Schmelzer zwischenzeitlich sogar den FC Bayern abhängte und 2011 sowie 2012 deutscher Meister wurde. Heavy Metal! Und so war es beim FC Liverpool, wo Klopp als „The Normal One“ zum Idol aufstieg, 2019 die Champions League und 2020 den englischen Meistertitel holte.

So viel Leidenschaft hatte einen Preis. Vor zwei Jahren verließ Klopp Liverpool ausgelaugt und müde, ihm fehlte „die Energie für eine weitere Aufgabe oder für ein weiteres Jahr“. Mittlerweile, betonte er, sei er „mehr als aufgetankt. Ich bin bereit.“

Trainerteam, Gehalt und das Debüt gegen die Niederlande

Die zahlreichen Hürden bis zur Einigung wurden in wochenlanger Detailarbeit aus dem Weg geräumt. Der Stab mit den Co-Trainern Peter Krawietz, Pepijn Lijnders und Sven Bender steht, die Finanzen mit einem kolportierten Jahresgehalt von etwas mehr als sieben Millionen Euro sind geregelt. Auch Klopps Vertrag als globaler Fußballchef bei Red Bull ist aufgelöst, angeblich gegen eine Spende von einer Million Euro an die Konzernstiftung.

Klopp hat bereits skizziert, wie er seinen Job angeht: „Wir müssen eine Erwartungshaltung kreieren, mit der die Spieler umgehen können.“ Runter also vom hohen Vier-Sterne-Ross. „Zum Spiel gehört, dass man sich frei fühlt, dass man überperformen kann“, sagte er. Mut macht ihm der Nachwuchs: „Wir sind U21-Vize-Europameister geworden, mit der U17 2023 Welt- und Europameister. Das Talent ist da.“

Klopps Aufgabenliste ist lang

Sein Debüt gibt Klopp am 24. September beim Auswärtsspiel gegen die Niederlande in der Nations League, zwölf Jahre nach dem WM-Triumph von 2014. Bis dahin muss er viele Fragen beantworten: Wer aus dem WM-Kader hat noch eine Zukunft? Bleibt Joshua Kimmich Kapitän? Wer steht im Tor? Und wie soll die Taktik aussehen? Erste Antworten wird der neue Bundestrainer schon am Freitag geben.

Kylian Mbappé und Jürgen Klopp im Gespräch bei der WM 2026
Frankreichs Kylian Mbappé (links) und Jürgen Klopp im Gespräch nach dem WM-2026-Viertelfinale zwischen Frankreich und Marokko in Foxborough am 9. Juli 2026. (Franck Fife / AFP)

Taktik, Team, Talente, Torhüter: Klopps erste Baustellen

Team: Wie groß wird der Umbruch?

Manuel Neuer ist bereits weg, weitere Routiniers dürften folgen. Klopp muss beurteilen, wie radikal der Umbruch ausfällt. Die Ü30-Fraktion um Oliver Baumann oder Antonio Rüdiger wäre ein logisches „Opfer“, auch ein Abschied von Leroy Sané oder Leon Goretzka erscheint denkbar. Zugleich muss der neue Bundestrainer prüfen, ob er sich an die Jahrgänge 1995 und 1996 um Kapitän Joshua Kimmich herantraut. Vor allem aber gilt: Das vorhandene Potenzial soll endlich abgerufen werden, und genau dafür ist Klopp bekannt.

Talente: neue Gesichter für den Neuanfang

Als Nachwuchsförderer hat sich Klopp einen Namen gemacht, einst ebnete er Mario Götze den Weg in die Weltklasse. Jungstars wie Lennart Karl, Assan Ouédraogo, Said El Mala oder Nicolò Tresoldi stehen bereit, dazu sind Jamal Musiala, Florian Wirtz, Nathaniel Brown und Aleksandar Pavlovic noch keine 24 Jahre alt. „Unser System wird immer gute Spieler hervorbringen“, sagte Ex-Weltmeister Philipp Lahm, „viel wichtiger ist es, eine Nationalmannschaft zu entwickeln.“

Torhüter: das Rennen um das Neuer-Erbe

Mit dem Abschied von Manuel Neuer ist die Torwartfrage neu gestellt. Jonas Urbig drängt beim FC Bayern wie beim DFB nach vorn, obwohl Neuer im Verein zunächst weitermachte. Klopp muss festlegen, wer künftig die Nummer eins der Nationalmannschaft ist.

Taktik und DNA: zurück zu Fußball-Deutschland

Im desaströsen WM-Sechzehntelfinale gegen Paraguay hatte die DFB-Elf über weite Strecken den Ball, der Ertrag war nur ein Tor. Wo Nagelsmanns Vorgaben mitunter „zu kompliziert“ waren, steht Klopp für einen schnörkellosen Heavy-Metal-Fußball mit überfallartigen Angriffen nach Ballgewinn. „Wir waren mal Fußball-Deutschland“, sagte er, „um wieder Fußball-Deutschland zu werden, müssen wir richtig ran.“ Dazu gehört für ihn eine klare Identität: runter vom hohen Vier-Sterne-Ross, erst über Zweikämpfe ins Spiel finden und den Glauben an die eigene Stärke zurückbringen.

Ausbildung: „Kicken, kicken, kicken“

Langfristig will Klopp beim Nachwuchs ansetzen: „Ab der U10″ müsse strukturell alles hinterfragt werden. Dabei soll er auf starke Leute wie Hannes Wolf bauen, zudem wird Per Mertesacker erwartet, der acht Jahre lang die Akademie des FC Arsenal geleitet hat. Seinen Leitgedanken für die Jugend hat Klopp schon formuliert: „Kicken, kicken, kicken.“

Alle bisherigen Bundestrainer und ihre Erfolge findest du in unserer Übersicht zu allen deutschen Bundestrainern. Mehr zum neuen Chef gibt es auf der Seite zu Bundestrainer Jürgen Klopp.

Quelle: SID, DFB