Rund einen Monat vor dem Start der Fußball-WM 2026 hat FIFA-Präsident Gianni Infantino gleich an mehreren Fronten mit Problemen zu kämpfen. Die heikelste Baustelle bleibt der Iran, zugleich stocken die Hotelbuchungen in den USA, und auch die WM-Ticketpreise sorgen weiter für Ärger.
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Iran-Frage bleibt das größte Risiko
Infantino und sein Weltverband stehen vor einer brisanten Situation rund um die Teilnahme des Iran an der Endrunde vom 11. Juni bis 19. Juli in den USA, Mexiko und Kanada. Trotz aller Beteuerungen des FIFA-Bosses ist der Auftritt der Perser als Folge des Nahost-Konflikts längst nicht sicher.
Um eine kurzfristige Absage und damit einen großen Schaden für den Verband zu verhindern, sucht die FIFA noch einmal den direkten Austausch mit dem iranischen Verband. Nach Informationen der Nachrichtenagentur AFP hat der Weltverband die Iraner eingeladen, bis zum 20. Mai an den FIFA-Sitz in Zürich zu kommen. Ein solches Treffen hatte Irans Verbandspräsident Mehdi Taj laut lokalen Medien selbst gewünscht, um „zahlreiche Themen zu besprechen“.
Wie angespannt die Lage ist, zeigte Taj zuletzt mit deutlichen Worten im iranischen Staatsfernsehen. Er forderte von Infantino eine „konkrete Garantie“ und sagte: „Wenn er diese Garantie gibt, werden wir zur Weltmeisterschaft fahren.“ Zugleich schränkte er ein, „dass die Mannschaft im Falle von Beleidigungen nach Hause zurückkehren könnte“.
Dass dies keine bloße Drohung ist, hatte bereits das Fernbleiben der Iraner vom FIFA-Kongress gezeigt. Beobachter befürchten zudem, dass das „okay“ von US-Präsident Donald Trump für eine iranische Teilnahme im Fall einer kurzfristigen Eskalation im Nahen Osten keinen Bestand haben könnte.
Schwache Nachfrage bei Hotels
Auch auf dem US-Markt läuft es nicht rund. Laut einem Bericht des Branchenverbands American Hotel and Lodging Association (AHLA) bleiben die Hotelreservierungen deutlich hinter den Erwartungen zurück. In Kansas City lagen die Buchungszahlen sogar unter den üblichen Werten für Juni und Juli.
In Boston, Philadelphia, San Francisco und Seattle beschrieben viele der Befragten das Turnier als ein „Nicht-Ereignis“. Als Hauptgründe für die Zurückhaltung gelten die Visahürden und allgemeine geopolitische Bedenken.
Hinzu kommt, dass die Eskalation bei Einsätzen der US-Einwanderungsbehörde ICE mit Todesopfern die Sicherheitsbedenken weiter verstärkt. Die USA und die FIFA müssten laut AHLA-Präsidentin Rosanna Maietta sicherstellen, „dass internationale Reisende einen reibungslosen Aufenthalt erleben.“
Infantino verteidigt die Ticketpreise
Gleichzeitig musste sich Infantino bei einer Konferenz in Beverly Hills erneut wegen der stark kritisierten Ticketpreise rechtfertigen. Der FIFA-Präsident argumentierte dabei ganz im Stil eines Marktdenkers: „Wir befinden uns in dem Markt, in dem die Unterhaltungsbranche weltweit am weitesten entwickelt ist. Deshalb müssen wir Marktpreise anwenden“, sagte er.
Und weiter: „In den USA kann man sich kein College-Spiel ansehen – ganz zu schweigen von einem Profispiel auf einem bestimmten Niveau – für weniger als 300 Dollar. Und das ist die Weltmeisterschaft.“ Weil es eben die WM sei, werde er demjenigen, der Finaltickets für zwei Millionen Dollar kaufe, „persönlich einen Hotdog und eine Cola bringen, um sicherzustellen, dass er ein großartiges Erlebnis hat“.
Das Instagram-Video von Infantino mit Eindrücken seines Auftritts im mondänen Beverly Hills vor den Toren von Los Angeles kam am Mittwochvormittag immerhin auf rund 700 Likes – mehr als das Video nach seiner eigenen Einschätzung wohl noch bekommen dürfte.