Weltmeister Trainer Joachim Löw: Rückkehr in den Fußball als Nationaltrainer?

Joachim Löw, der ehemalige Bundestrainer und Weltmeister-Trainer von 2014, lässt die Fußballwelt über eine mögliche Rückkehr spekulieren. Kurz vor seinem 65. Geburtstag (3. Februar) sprach er im kicker-Interview offen über seine Zeit abseits des Fußballs, persönliche Reflexionen und die Möglichkeit, erneut Verantwortung für eine Nationalmannschaft zu übernehmen. Ein Vereinsengagement, wie zuletzt bei Borussia Dortmund spekuliert, schloss er hingegen aus.

Löw genießt die Zeit mit Familie und Freunden

Seit seinem Rücktritt im Sommer 2021 hat Joachim Löw die Zeit genutzt, um sich auf das Wesentliche im Leben zu konzentrieren. Im Gespräch betont er, wie wertvoll es für ihn sei, tiefere Gespräche mit Familie und Freunden zu führen und für Menschen da zu sein, die ihn während seiner aktiven Zeit unterstützt haben.

Doch ganz ohne Fußball geht es bei Löw nicht: „Es ist mein Leben. Ich beschäftige mich immer wieder damit. Der Fußball ist immer im Mittelpunkt meines Herzens.“ Diese Verbindung macht eine Rückkehr für ihn denkbar – allerdings nur in ein Umfeld, das zu ihm passt. Löw sieht sich nicht als Vereinscoach, sondern als Experte für Nationalmannschaften, die er gezielt auf große Turniere vorbereiten kann.

„Spannende Optionen“ statt Aktionismus

Rund dreieinhalb Jahre nach seinem Rücktritt ist Löw bereit, über eine Rückkehr nachzudenken. Angebote habe es zwar gegeben, doch keines davon hätte ihn bisher überzeugt. „Ich hatte nicht das Gefühl, dafür zu brennen“, erklärt Löw. Nun sei er jedoch offen für „spannende Optionen“. Besonders hebt er seine Erfahrung im Umgang mit Nationalteams hervor, die er auf große Turniere vorbereitete: „Ich habe eine Vision und Erfahrung, ein Team gezielt über zwei Jahre aufzubauen.“

Dennoch betont er, dass er keinen schnellen Wiedereinstieg erzwingen wolle. Der Druck, der junge Trainer antreibt, sei für ihn kein Thema mehr. Stattdessen genießt er die Gelassenheit, die mit seiner Erfahrung kommt: „Ich habe gelernt, in mich hineinzuhören. Mit der Ruhe des Älterwerdens kann ich viel entspannter auf solche Entscheidungen blicken.“

WM-Titel 2014 und die schwierigen Jahre danach

Löws Karriere erreichte 2014 mit dem WM-Titel in Brasilien ihren Höhepunkt. Doch auf den Triumph folgten schwierige Zeiten. Der Absturz der Nationalmannschaft bei der WM 2018 in Russland – mit dem peinlichen Vorrundenaus – war ein herber Rückschlag, den er inzwischen selbstkritisch reflektiert. „Das war ein Tiefschlag. Der Rücktritt wäre der richtige Schritt gewesen“, gibt Löw zu.

Dennoch wollte er zusammen mit Oliver Bierhoff die damalige „Schmach“ korrigieren und positiv umwandeln. Diese Motivation reichte jedoch nicht aus, um die deutsche Nationalmannschaft wieder auf die Erfolgsspur zu führen. Stattdessen endete seine Ära mit dem Achtelfinal-Aus bei der EM 2021 gegen England. Rückblickend erkennt Löw: „Ich hätte den Weg freimachen sollen für jemanden, der mit neuen Ideen kommt.“

Selbstzweifel nach dem WM-Erfolg

Bereits nach dem WM-Titel 2014 fiel Löw in ein emotionales Loch. „In der Woche nach der Euphorie habe ich mich gefragt: Brenne ich noch?“, erinnert er sich. Es fehlten zunächst neue Impulse und Ideen, was zu Selbstzweifeln führte. Dennoch blieb der Ehrgeiz, die Erfolge zu bestätigen, immer erhalten.

Diese Selbstreflexion hat Löw in den letzten Jahren intensiviert. Jetzt, nach einer längeren Auszeit, verspürt der 64-Jährige wieder den Antrieb, den er braucht, um neue Herausforderungen anzugehen – jedoch ohne den Druck von früher.